HIV-Engagement der Firma MSD in Afrika - es begann 2000 in Botswana
Zu den wichtigsten Faktoren bei der Bekämpfung der weltweiten HIV/AIDS-Epidemie gehören neben der Bereitstellung von wirksamen Medikamenten die Stärkung der Infrastruktur des Gesundheitswesens, die Sicherstellung einer angemessenen Gesundheitsfinanzierung und Hilfe beim Aufbau der örtlichen medizinischen Versorgung durch Schulung und Unterstützung. Öffentlich-private Partnerschaften (Public Private Partnerships) spielen bei diesem Prozess eine wichtige Rolle.
Das HIV-Therapieprogramm ACHAP
Die Regierung von Botswana und MSD mittels der Merck Company Foundation sowie die Bill & Melinda Gates Stiftung gründeten im Jahr 2000 die Organisation ACHAP (African Comprehensive Partnerships), die der Unterstützung und Ausdehnung der Bekämpfung der HIV/AIDS-Epidemie in Botswana dienen soll, und zwar durch umfassende Programme zur Prävention von HIV/AIDS sowie Betreuung, Behandlung und Unterstützung der Betroffenen.
Die Merck Company Foundation und die Gates Stiftung stellten jeweils 56,5 Millionen US-Dollar für die Partnerschaft bereit. Darüber hinaus spendete MSD antiretrovirale (ARV) Präparate für Botswanas nationales ARV-Therapieprogramm namens Masa („neuer Aufbruch“) über die gesamte Dauer der Partnerschaft. Auch wenn die Eindämmung der Auswirkungen von HIV/AIDS nicht von heute auf morgen stattfinden kann, sehen die aktuellen Ergebnisse aus Botswana vielversprechend aus. Masa ist heute eines der größten staatlichen HIV-Therapieprogramme auf dem afrikanischen Kontinent mit 32 Kliniken und 60 Dependancen im ganzen Land.
Das Programm verbesserte außerdem die regionalen Kapazitäten erfolgreich, indem die medizinische Infrastruktur gestärkt und fachliche Kenntnisse vermittelt wurden. Als Hilfe für Masa unterstützte die Partnerschaft die Entwicklung von Laborkapazitäten zum Testen und Überwachen des Ansprechens auf die Behandlung. Informationstechnologische Systeme zur Überwachung der Therapietreue wurden ebenfalls entwickelt.
Gemeinsam mit der Harvard-Universität und dem Gesundheitsministerium von Botswana bietet die Partnerschaft eine Ausbildung für mehr als 5.000 medizinische Angestellte in Botswana über die ersten acht Basismodule zu den Grundlagen der medizinischen Versorgung bei HIV/AIDS an. Weitere 3.200 Ärzte, Krankenschwestern und Pflegepersonen erhielten eine praktische, klinikbasierte Schulung von internationalen HIV/AIDS-Experten, der Ausbildungsgruppe der Partnerschaft („Preceptorship Program“).
ACHAP setzt sich auch für Prävention ein, einschließlich kostenloser Kondomverteilung unter sozialer Vermarktungskontrolle, für Intervention und Kommunikation zur Verhaltensänderung, für ein Programm für das Infektionsmanagement sexuell übertragbarer Erkrankungen, für ein Ausbildungsprogramm für mehr Lehrer und ein Vorsorgeprogramm für Blutsicherheit und für Jugendliche. ACHAP unterstützt derzeit die Entwicklung eines nationalen Plans zur Verstärkung der Prävention unter Führung der nationalen AIDS-Koordinierungsagentur.
Auch wenn der Weg im Kampf gegen HIV/AIDS in Botswana noch lang ist, so gibt es doch Anzeichen dafür, dass die Präventionsbemühungen der früheren Jahre anfangen, sich auszuzahlen. Die Raten eines vorgeburtlichen Auftretens von HIV haben über nahezu alle Altersklassen hinweg abgenommen. Besonders deutlich war die Abnahme in der Altersklasse der 15- bis 19-jährigen, bei der das Auftreten von HIV bei schwangeren Frauen in den Jahren 2001 bis 2007 um 30 Prozent sank (von 24,7 Prozent auf 17,2 Prozent). Der Prozentsatz HIV-positiver Neugeborener von HIV-positiven Müttern sank von 40 Prozent auf vier Prozent.
2006 dehnte ACHAP seine Bemühungen auf die Bekämpfung von Tuberkulose aus, da die Anzahl der Fälle von Tuberkulose bei HIV-Infizierten seit den frühen 1990er Jahren dramatisch zugenommen hat. Laut Schätzungen sind 75 bis 80 Prozent der Tuberkulosepatienten HIV-positiv und Tuberkulose ist bei erwachsenen AIDS-Patienten die häufigste Todesursache.
Die Stärke von ACHAP liegt darin, dass es vollständig in die Strategie der Regierung eingebunden ist. Damit ist es möglich, die Kenntnisse aus dem privaten Sektor in die staatlichen Bemühungen zur Bekämpfung von HIV/AIDS zu integrieren. Heute werden die in Botswana gewonnenen Erkenntnisse in anderen Projekten angewandt und helfen Regierungen, Hilfsorganisationen, Gemeindegruppen und von HIV Betroffenen bei der Bewältigung der Herausforderungen, die diese Krankheit mit sich bringt.